Allgemein · Familienleben · Medizinisches Thema des Monats

Schlaf, Kindlein, Schlaf…

Kaum ein Thema ist für frischgebackene Eltern und oft auch noch viele Jahre nach der Geburt des Babys so omnipräsent wie das Thema schlafen. Die erste Frage die einem als junge Eltern gestellt wird ist „und, wie sind die Nächte?“ – Schlafmangel und Durchschlaf-taktiken sind DAS Thema in sämtlichen PEKiP- und Piklerkursen, Bücher zu diesem Thema werden zu Bestsellern… Schlaf wird ab der Geburt des Sprösslings zum höchsten Gut, rückt aber oft in unerreichbare Ferne und die Augenringe sind so tief und schwarz wie sie es nicht einmal nach den härtesten Partywochenenden in einem längst vergangenen Leben waren. So ist es nunmal… oder auch nicht? Auf die Gefahr hin dass ihr mich jetzt hasst und aus Protest nicht weiterlest: meine Kinder haben beide recht früh ziemlich gut geschlafen – warum kann ich euch gar nicht so genau sagen… vielleicht war es einfach Glück, vielleicht haben wir auch ein paar Dinge von Anfang an richtig gemacht. Deshalb möchte ich ein paar persönliche Tips und medizinische Fakten hier mit euch teilen:

friedlich schlafendes Baby

1. Neugeborene haben noch keinen Tag-Nacht-Rhythmus

Im Gegenteil… wie man während der Schwangerschaft oft schon merkt sind Babies im Bauch gerne dann am aktivsten wenn Mama sich entspannt und sozusagen mehr Platz zum strampeln ist. Kein Wunder also dass die aktivste Phase der Kleinen oft in den Abendstunden ist. Ich muss meinem Kind also beibringen wann Tag und wann Nacht ist. Das geht über die Lichtverhältnisse, über Lautstärke und Stimme und über Aktivitäten. Wir haben es von Anfang an (bis auf ganz wenige Ausnahmen) vermieden, unsere Kinder abends mit auf Veranstaltungen oder zu Freunden zu nehmen. Das war gar nicht immer so einfach, denn wir waren mit die Ersten im Freundeskreis die Kinder hatten und waren natürlich dementsprechend oft eingeladen. Unser Großer war ein totaler Sonnenschein, hat die meisten Herzen im Sturm erobert und hätte im Tragetuch auch problemlos alles mitgemacht. Wir wären auch wirklich gerne die stolzen aber total coolen, entspannten Eltern gewesen, die ihr Baby einfach überall mit hin nehmen…aber zu welchem Preis? so hätte er nie einen Tag- Nacht-Rhythmus gelernt… Also haben wir stattdessen von Anfang an eine feste Zeit eingeführt ab der Ruhe einkehrte. Das bedeutete erst nochmal stillen, dann wickeln und Schlafsack anziehen, Licht aus, Liedchen singen und ab ins Bett. Ab diesem Moment blieb das Licht aus, es wurde nur noch mit bewusst leiser und ruhiger Stimme mit ihm gesprochen und wenn er geweint hat haben wir ihn im Bettchen gelassen. Und nein, das bedeutet nicht dass wir ihn haben schreien lassen, einer von uns hat sich neben ihn gelegt, sein Köpfchen oder Händchen gestreichelt und beruhigend auf ihn eingeredet.  So hat er von Anfang an den deutlichen Unterschied zwischen Tag und Nacht gelernt ohne sich jemals alleine gelassen zu fühlen.

2. Milchbar 24/7 geöffnet?

Babies müssen auch nachts trinken, das ist klar. In welchem Abstand sie die Brust brauchen ist individuell sehr unterschiedlich, normal sind Anfangs Stillabstände zwischen 30 Minuten und 4h. Ein paar Tips die bei uns geholfen haben das nächtliche Stillen zu reduzieren sind folgende: ich habe von Anfang an darauf verzichtet den kleinen Mann „in den Schlaf zu stillen“. Wie ich oben schon geschrieben habe, haben wir uns abends vor dem zu Bett gehen Zeit genommen zum Stillen und ihn dann in der Stunde danach ins Bett gebracht. Wir hatten ein Beistellbett an unserem Bett dran und haben ihn in der ersten Nachthälfte neben Papa schlafen lassen. Das heisst dass wir, wenn er unruhig wurde, erst mal die Möglichkeit hatten ihn mit streicheln und Nucki zu beruhigen ohne dass er direkt die Milchbar vor der Nase hatte. Er war es ja dann auch gewohnt ohne Brust wieder in den Schlaf zu finden. Wenn er sich so nicht beruhigen liess und eindeutig Hunger hatte habe ich ihn natürlich jederzeit gestillt. Manchmal habe ich ihn zurück neben Papa gelegt, oft ist er dann aber auch in der Mitte zwischen uns geblieben. Nichtsdestotrotz hat er im Alter von 6 Wochen Abends zwischen 11 und 12 an der Brust getrunken und hat dann durchgeschlafen bis er morgens zwischen 5 und 6 wieder Hunger hatte. Ob wir mehr Glück als Verstand hatten oder ob sich unsere Strategie bewährt hat kann man natürlich nicht genau sagen, aber bei Nummer zwei war es ganz ähnlich. Ab ca. 8 Wochen hat sie sich in der Nacht nur noch einmal zwischen 3 und 5 Uhr zum trinken gemeldet bis sie 6 oder 7 Monate alt war, danach kam sie meist ohne nächtliches stillen aus.

Ich möchte hier ganz klar betonen dass ich beide Kinder IMMER nach Bedarf gestillt habe. Ich habe den Kindern nie die Brust verweigert wenn ich das Gefühl hatte sie haben Hunger und – ganz wichtig, ich hatte bereits bei Geburt kräftige Kinder die mehr als ausreichend zugenommen haben. Gerade bei zierlichen Babies die nur zögerlich zunehmen oder bei geringer Muttermilchproduktion kann es notwendig sein die Kinder auch nachts in regelmäßigen Abständen zu wecken um eine ausreichende Versorgung zu gewährleisten und die Milchproduktion zu fördern.

3. Nächtliches Aufwachen bei Kleinkindern

Die wichtigste Info vorab: Nächtliches Aufwachen ist völlig normal! Nicht nur Kinder, auch wir Erwachsene wachen nachts auf. Meistens nehmen wir dies kaum bewusst wahr und schlafen direkt wieder ein. Wir stellen innerhalb eines Augenblickes fest dass wir in unserem Bett sind, alles so ist wie immer, fühlen uns geborgen und schlafen wieder ein. Warum gelingt dies unseren Kindern denn dann nicht genau so? Weil oft mitten in der Nacht irgendetwas anders ist als beim abendlichen Einschlafen. Fragt euch also mal welche Bedingungen euer Kind beim einschlafen hat. Stillt ihr euer Kind vielleicht immernoch in den Schlaf oder hat es eine Milchflasche zum Nuckeln wenn ihr es schlafen legt. Kuschelt ihr euch zu eurem Kind ins Bett und schleicht euch raus wenn es eingeschlafen ist? Hat es einen Nucki im Mund den es Nachts verliert? All dies sind Bedingungen die dann plötzlich nicht mehr gegeben sind wenn das Kind nachts wach wird. So ist dann das erste Gefühl kein Gefühl der Geborgenheit und Sicherheit mehr, sondern ein Schreck oder Verunsicherung. Der Körper fährt sein Warn- und Alarmsystem hoch und bis Mama oder Papa gekommen sind, den Nucki gefunden haben und nochmal das Köpfchen streicheln sind die Zwerge hellwach und das ganze System muss erstmal langsam wieder auf Schlafmodus herunter gefahren werden. Deponiert also drei oder vier Nuckis im Bett die euer Kind selber wieder findet. Tauscht die abendliche Milchflasche (die ohnehin Gift für die Zähne ist) gegen einen Schluck Wasser aus einem Kinderbecher vor dem Einschlafen und kuschelt gerne noch mit euren Kindern aber versucht euch zu verabschieden bevor sie eingeschlafen sind. Diese Umstellung geht natürlich nicht von heute auf morgen, ich für mich habe damals entschieden dass der beste Weg langsam und sanft ist, habe mich anfangs noch neben das Bettchen gesetzt, aber zum Schluss ohne Körperkontakt, dann an das andere Ende des Zimmers neben die Tür und irgendwann war es dann auch ok das ich gehe. Unsere Jüngste ist noch lange nachdem sie nachts gestillt wurde jede Nacht mindestens einmal aufgewacht. Durchschlafen tut sie erst seitdem sie alleine einschläft und ihren Nucki abgegeben hat.

Wie viel Schlaf braucht mein Kind?

Das ist je nach Kind natürlich sehr sehr unterschiedlich. Während die einen Babies die ersten 2 Monate fast ausschließlich schlafen kommen andere Kinder schon nach wenigen Wochen mit 12h Schlaf aus. Manche Kleinkinder schlafen schon bevor sie 2 sind tagsüber gar nicht mehr, andere Kinder brauchen mit 4 Jahren noch ihren Mittagsschlaf. Wenn ihr euch unsicher seid ob euer Kind genug Schlaf bekommt macht es manchmal Sinn über ein oder zwei Wochen mal aufzuschreiben wann euer Kind schläft und dann dem Kind zu helfen den Schlaf „umzuverteilen“. Oft ist mangelnder Schlaf nachts nämlich auch auf zu viel Schlaf tagsüber zurück zu führen. Kritisch sind natürlich immer die Übergangsphasen. Von zwei Schläfchen tagsüber auf einen Mittagsschlaf oder von Mittagsschlaf zu kein-Mittagsschlaf-mehr. Der Weg geht aber immer darüber dass man die Kinder erst früher weckt, damit sie nachher früher einschlafen, denn „in den Schlaf zwingen“ wenn sie nicht müde sind wird nie funktionieren und führt nur zu Frust. Ich hatte mit beiden Kindern die Phase bevor sie den Mittasschlaf weggelassen haben. Da waren sie teilweise plötzlich wieder bis halb zehn putzemunter statt wie sonst um 8 Uhr zu schlafen. Die 90 Minuten Mittagsschlaf waren einfach zu viel. Wenn wir den Mittagsschlaf aber wegliessen fielen ihnen um halb sechs oft die Augen fast zu. Da mussten wir als Familie dann für 1-2 Wochen durch, so lange dauert es in etwas den Schlafrhythmus zu ändern. Und dann waren sie danach um halb 8 innerhalb von Minuten eingeschlafen.

Jede Familie ist anders

Nicht nur jeder Mensch hat seine individuellen Grenzen und Bedürfnisse, auch jede Familie ist anders. Findet also einen Weg der zu euch als Familie passt. Das fängt natürlich bei den Eltern an. Klärt am besten schon bevor das Baby überhaupt da ist, welche Schlafsituation zu euch passt, ihr werdet euch wundern wie oft die Vorstellungen von Müttern und Vätern meilenweit auseinander liegen. Legt gemeinsame Regeln fest. Ob zu eurem Familienalltag besser passt dass die Zu-Bett-Geh Zeit mit Baby gemeinsam um 23 Uhr ist und man morgens länger schläft oder ob man als Paar lieber die Abendstunden für sich genießen möchte und dann morgens in den sauren Apfel beisst und im Morgengrauen ein topfittes Kind hat. Ob ihr mit 5 Mann im Familienbett schlafen wollt oder das Ehebett zur Kinderfreien Zone erklären wollt. Das ist alles erlaubt so lange sich die Familie damit wohl fühlt. Manche Mütter stört es nicht wenn das Kind über den zweiten Geburtstag hinaus jede Nacht mehrmals an der Brust trinken will. Andere Mamas möchten ihr Bett und ihrem Körper nach 6 Monaten für sich haben.

Ich möchte euch mit diesem Beitrag also nicht sagen wie ihr das mit dem Schlafen und Stillen machen sollt, sondern Tips an die Hand geben wie ihr die Situation ändern könnt wenn ihr unzufrieden seid und wie ihr die häufigsten Gründe für Schlafmangel möglichst von vornherein entschärfen könnt.

Ich hoffe dieser Beitrag war hilfreich für euch und freue mich wenn ihr ihn teilt, weiterempfehlt und natürlich eure Meinung zu diesem schwierigen Thema hinterlasst.

Wir haben übrigens ein 2,30m breites Familienbett, die Kinder dürfen immer zu uns kommen, dank grossem Bett passt das auch für alle. Manchmal kommen sie schon mitten in der Nacht, meistens aber erst früh am morgen zum kuscheln vor dem Aufstehen. Und das geniessen wir dann alle.

Eure Taschi

 

 

 

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