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Verkaufst du dich unter Wert? Tips zur Preiskalkulation für dein Handmade-Business

Das mit den Preisen im Handmade-Business ist so eine Sache: Preise kalkulieren will gelernt sein und im großen und ganzen verlangen wir alle viel zu wenig für unsere handgefertigten Waren. Jetzt mal im Ernst ihr Lieben: egal ob ihr strickt, häkelt, näht, töpfert, Schmuck herstellt oder, oder, oder, ihr macht das mit euren eigenen Händen, ihr erschafft etwas, ihr macht euch vorher manchmal Tage und Wochenlang Gedanken wie es aussehen soll, ihr seid perfektionistisch, denn das was ihr da verkauft repräsentiert euer Business und euch als Person und am Ende wird es liebevoll verpackt und versendet. Diese Zeit, dieses Herzblut hat nunmal seinen Preis und den dürft ihr auch aufrufen.
Aber wie finde ich denn nun den richtigen Preis für meine handgefertigten Waren?

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Ich spreche hier ausdrücklich diejenigen von euch an die, genau wie ich, noch einen richtigen Job haben und deren Nebengeschäft nicht die Familie ernähren muss. Trotzdem solltet ihr auf gar keinen Fall mehr Geld in das Geschäft reinstecken als am Ende rauskommt und wie ich euch gleich vorrechnen werde geht das schneller als man denkt.

Was muss ich denn in meiner Preiskalkulation alles beachten? Ich rechne euch das mal an dem Beispiel eines einfachen Stirnbandes vor:

  1. Wareneinsatz – klar, meine Wolle für 5,00€ das Knäuel. Ich brauche zwar nur etwas mehr als ein halbes Knäuel aber was macht man mit 40% eines Wollknäuels? genau. Nix! also tut mir den Gefallen und berechnet auch die kompletten 5€! Dazu kommt aber dann auch noch das Label. 30 Stück kosten 44,90€ plus 2,99€ Versand. also (44,90+2,99)/30=1,60€. Pro Anhänger den ich an das gestrickte Teil dran mache bezahle ich nochmal 0,40€. Nur um nichts auszulassen kalkuliere ich nochmal 0,10€ für das Nähgarn mit dem ich das Label annähe, und 0,10€ für die Stempel mit meinem Logo und der Materialzusammensetzung sowie für die Stempelfarbe. Das macht dann insgesamt schonmal 7,30€ Materialkosten.
  2. Versandmaterial – das Porto kommen bei mir zum Verkaufspreis oben drauf, nicht inbegriffen in diesen Preis sind aber die Kosten für Verpackungsmaterial, 0,40€ pro Versandbox, 0,10€ für die Adressaufkleber, 0,20€ für Seidenpapier zum einwickeln, 0,30€ für die kleinen Runden Sticker mit denen ich das Seidenpapier beklebe. Stempel und Stempelfarbe lasse ich hier mal außer Acht weil bereits oben unter Wareneinsatz. Aber ihr seht: für Versandmaterial ist ganz schnell nochmal 1 Euro dazu gekommen, den die meisten von euch bei der Preiskalkulation schlicht und ergreifend vergessen weil es so vernachlässigbare Beträge zu sein scheinen. Da wären wir schon bei 8,30€ die uns das ganze kostet.
  3. Kosten für Verkaufsportal – die meisten von euch bieten ihre Waren ja über Portale wie Dawanda, Etsy etc an. Dort zahlt ihr also zum einen Einstellgebühren und zum anderen eine Verkaufsprovision. Die Einstellgebühren liegen bei 0,30€,  den Endpreis auf den ich nachher komme nehme ich jetzt mal vorweg, damit wir eine Rechengrundlage haben. Sagen wir also ich möchte mein Stirnband für 20€ verkaufen, da gehen nun schonmal 2,00€ als Provision an das Verkaufsportal. Die muss ich natürlich auf den Preis aufschlagen. Damit sind wir dann also bei 8,30€ + 2,30€ = 10,60€
  4. Weitere Kosten – es fallen natürlich noch viele, viele weitere Kosten an, die ihr zumindest grob mit einrechnen solltet. Habt ihr zum Beispiel monatliche Kosten für eine Rechtsberatung um euch gegen Abmahnungen etc abzusichern. Kostet diese 10€ im Monat und ihr verkauft im Schnitt 120 Teile pro Jahr? Macht 1,00€ die ihr pro verkauftem Teil zusätzlich investiert habt. Ihr verkauft nur 60 Teile im Jahr, sind es direkt 2,00€ mehr. Habt ihr euch eine teure Kamera oder ein Programm zur Photobearbeitung gekauft? Vielleicht sogar ein kostenpflichtiges Photoshooting gemacht? Denkt mal an die Druckertinte um eure Versandaufkleber zu drucken, das Paketband was ihr zum zukleben verbraucht, das Benzin um Materialeinkäufe zu erledigen oder Pakete zur Post zu bringen. Ihr seht schon, die Ecken und Enden an denen ihr Geld ausgebt, welches in eure Preiskalkulation nicht eingerechnet wird sind mannigfaltig und sollten alle bedacht werden. Ich setze an dieser Stelle mal pauschal weitere 3,00€ an und bin dann insgesamt bei 13,60€ die es mich kostet ein Stirnband herzustellen, und den wichtigsten Faktor habe ich noch gar nicht eingerechnet:
  5. Eure kostbare Zeit! Weiter oben habe ich erwähnt dass ich von einem Preis von 20€ für ein Stirnband ausgehe. Nun muss ich ja schonmal die 13,60€ abziehen die ich als Ausgaben berechnet habe. Es bleiben mir also 6,40€ Gewinn. Sollen wir das mal in einen Stundenlohn umrechnen, oder lieber nicht mehr? Spaßeshalber rechne ich das jetzt auch mal im Kopf durch:  Zum Stricken eines Stirnbandes brauche ich, wenn ich ohne Unterbrechung durchstricke etwa 2 Stunden, je nach Modell. Für das Label annähen und Verpacken sicherlich nochmal 30 Minuten, denn ich möchte ja auch dass alles hübsch aussieht. Vorher habe ich aber auch schon mindestens eine, meistens eher 2-3 Nachrichten vorab mit dem Kunden ausgetauscht, bezüglich Farbwünschen, Größe, Lieferdeadlines etc. Dann habe ich das passende Garn besorgt, denn meistens habe ich dies nicht vorrätig, nach dem verpacken bringe ich es natürlich noch zur Post. Alles in allem locker nochmal 30 Minuten. Ein einfaches Stirnband beschäftigt mich also gut und gerne 3 Stunden und ich komme damit auf einen Stundenlohn von 2,13.

2,13 Stundenlohn. BRUTTO! (ja, das „brutto“ ist wichtig, denn auch als Kleinunternehmer müsst ihr zwar keine Umsatzsteuer zahlen, eure Gewinne aber sehr wohl versteuern!!!). Lasst euch das mal auf der Zunge zergehen. Ich sage nicht dass das zu wenig ist, die meisten von uns machen das ganze ja weil es uns Spaß macht, aber bitte, bitte, rechnet das für all eure Angebote zwischendurch mal nach, denn ich fürchte viele von euch werden feststellen, dass bereits die Kosten wenn man mal ehrlich alles zusammenrechnet schon den Preis den sie berechnet haben, übersteigen. Außerdem müsst ihr euch jedes mal wenn ihr da sitzt und an einem Auftrag arbeitet fragen, was ihr sonst stattdessen tun würdet und ob es euch 2,13 Wert ist, das zu verpassen.

Und was ist wenn ihr jetzt denkt „Mist, meine Preiskalkulation ist eine Katastrophe und ich zahle jeden Monat drauf…“  oder „ok, klingt ja alles vernünftig, aber kann ich wirklich soooooo viel für meine Sachen verlangen?“ JA! JA verdammt, das könnt ihr! Wer billig sucht, treibt sich im Zweifelsfalle eh nicht auf den Portalen rum auf denen ihr eure Sachen anbietet, und wem eure Produkte den Preis den ihr aufruft nicht Wert sind, der hat halt kein Recht darauf dass ihr eure kostbare Zeit und euer Talent investiert. So einfach ist es PUNKT. Und wenn ihr ein paar Teile weniger verkauft, was soll’s? Dafür könnt ihr euch selber gegenüber ein besseres Gewissen haben. Es geht nicht um teure Preise, es geht um faire Preise. Also tut euch selbst den Gefallen, rechnet nochmal nach ob ihr wirklich nicht draufzahlt und kalkuliert eure Preise neu. Und wem das zu viel Arbeit ist: geht in euren Shop, erhöht die Preise für jedes Teil um 15% und wahrscheinlich verkauft ihr euch dann immer noch unter Wert 😉

Eure Taschi

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4 Kommentare zu „Verkaufst du dich unter Wert? Tips zur Preiskalkulation für dein Handmade-Business

  1. Hallo Taschi!
    Ich finde das ein wichtiges Thema und richtig klasse, dass Du das nicht nur angesprochen , sondern so deutlich veranschaulicht hast!!!
    Danke!!!
    Liebe Grüße von Jule

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  2. Du hast so recht, ich verkaufe wahrscheinlich auch alles viel zu günstig. Ich sollte tatsächlich mal alles aufrechnen und viel mutiger sein, beim Preise festlegen.
    Danke für den Anschubser!
    Liebe Grüße,
    Doro

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  3. Hallo was ich nicht verstehe ist ( ich spreche jetzt als Käufer) wieso man „Extras“ wie das seidenpapier , den Sticker etc auf die Käufer überträgt . Ich liebe handmade Sachen, aber manche sind sowas von teuer und wenn ich einen handmade Hose zb bestellt, dann ist es mir egal ob man es in einem Umschlag per Warensendung schickt oder in einem Päckchen, ich denke so geht es vielen. Ich kaufe das Produkt nicht die Verpackung denn die Landet doch eh im Müll.

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