Medizinisches Thema des Monats

10 Fragen zum Thema ZECKEN

Hallo ihr lieben, schön dass ihr mal wieder bei mir vorbei schaut. Heute starte ich mit meiner neuen Rubrik, nämlich dem medizinischen Thema des Monats. Und das erste Thema dem ich mich jetzt im Mai noch widmen möchte sind die Zecken.

Immer wieder erlebe ich dass die Verunsicherung nach einem Zeckenbiss groß ist, sei es in der Notfallambulanz der Klinik früher, jetzt in der Praxis oder auch durch verschiedene Posts vieler Mami-Blogger auf Instagram. Deshalb habe ich beschlossen die wichtigsten Fragen für euch möglichst kurz und verständlich zu beantworten.Sind Zecken gefährlich? Jein! Die Zecke an sich ist nicht gefährlich, sondern „nur“ ein blutsaugender Parasit… jaja, ich weiß, klingt jetzt eklig und entsetzlich 😀 Aaaaber, die Zecke kann die Erreger potentiell gefährlicher Krankheiten übertragen, die beiden wichtigsten sind die Borrelien (Bakterien) und das FSME-Virus. FSME steht für das Wortungetüm „Frühsommer-Meningo-Enzephalitis“, auf deutsch eine Entzündung der Hirnhäute und des Gehirns die im Frühsommer bevorzugt auftritt.

  1. Wie kann ich mich vor diesen Krankheiten schützen? Der beste Schutz vor Borreliose und FSME ist der Schutz vor Zeckenbissen. Da Zecken sich vor allem bodennah im Gebüsch und hohem Gras aufhalten (aber auch mal bis in über 1m Höhe hochsteigen können) und wir sie im vorbeilaufen quasi „abstreifen“ sind wir überall da gefährdet wo wir direkten Kontakt zu Büschen, Gräsern, oder Sträuchern haben. Ihr ahnt schon, bei gutem Wetter mit Kindern quasi überall. Am besten ist es wenn man draußen in der Natur körperbedeckende Kleidung trägt, Haut und Kleidung mit einem Anti-Zeckenspray einsprüht und „Zeckeoffene Stellen“ vermeidet, das heisst: Oberteile in die Hose stecken, Hosenbeine in die Socken. Voilà, schick ist anders, aber so what 😉 (und drei Sprachen in einen Satz gepackt, ich Heldin). Außerdem sollte man nach jedem Waldausflug den Körper der Kinder einmal gründlich nach Zecken absuchen. Bevorzugte Stellen sind zum Beispiel Kopfhaut, Halsfalten, Achselhöhlen, Leisten… aber auch sonst überall können diese Viecher sich niederlassen.
  2. Und wenn ich nun eine Zecke finde? Zecken sollten möglichst schnell entfernt werden, denn insbesondere die Borreliose wird erst Stunden nach dem Stich übertragen, da die Erreger sich nicht im Speichel, sondern im Darm der Zecke befinden. Und ja, ich weiß, das sind alles keine Infos die den Ekel vor diesen kleinen Viechern abbauen. Zum Entfernen kann man spezielle Zeckenzangen oder Zeckenkarten verwenden, mit denen sich die Zecken nah an der Haut packen und gerade nach oben herausziehen lassen. Wenn möglich danach die Hautstelle einmalig desinfizieren. Man kann aber auch einfach eine normale Pinzette oder auch die Fingernägel verwenden. Ihr solltet aber darauf achten die Zecke nicht zu zerquetschen
  3. Und wenn ich die Zecke nicht ganz raus kriege? Entspannt bleiben 😉 die häufigsten „Zeckenbesuche“ in der Notfallambulanz früher fanden statt weil die Zecke zwar selbstständig entfernt wurde, aber noch ein kleines bisschen vom Beisswerkzeug in der Einstichstelle verblieben ist. Meinen, zugegebenermaßen etwas saloppen Standardspruch: „“macht nix, eitert raus“ fanden die meisten Eltern ziemlich doof, denn teilweise hatten sie eine beträchtliche Wartezeit in Kauf genommen nur um sich diese Antwort anhören zu müssen. Leute, es ist aber so… ich werde den Teufel tun bei einem eh schon verängstigten dreijährigen mit einer Kanüle oder ähnlichem in der Einstichstelle rumzupulen nur um diesen letzten, winzigen, schwarzen Punkt herauszuholen. Das stößt ein gesunder Körper von selber ab. Meistens übrigens auch ohne dass es überhaupt eitert. Das wird in ein winziges Krüstchen eingeschlossen und löst sich ab. Punkt.
  4. Muss ich einen Arzt aufsuchen wenn mich eine Zecke gebissen hat? Grundsätzlich nicht. Zecke rausziehen, wenn Desinfektionsmittel vorhanden desinfizieren. Gut ist.
  5. Und wann sollte ich doch zum Arzt gehen? Wenn ihr die Zecke gar nicht raus bekommt, weil sie zum Beispiel an einer doofen Stelle sitzt. Augenlid, Penis, Schamlippen wären so Beispiele die ich nennen könnte, wo Eltern sich einfach nicht getraut haben ran zu gehen. Grundsätzlich ist da aber dasselbe vorgehen angesagt: Zecke raus, desinfizieren.  Und wenn ihr Symptome bemerkt, die auf eine durch Zecken übertragene Erkrankung hinweisen können.
  6. Welche Symptome weisen auf eine Borreliose hin? Um diese Frage zu beantworten muss man wissen, dass eine Borreliose in mehreren Stadien verläuft und mannigfaltige Symptome an verschiedenen Organsystemen machen kann. Im Frühstadium kommt es zum Beispiel häufig (aber nicht immer) zu einer sogenannten Wanderröte, einer ringförmigen Rötung die sich um die Einstichstelle herum ausbreitet und innen wieder verblasst. Eine Rötung nur an der Einstichstelle, die sich nicht ausbreitet ist hingegen eine normale Reaktion. In späteren Stadien können Borrelien unter anderem Gelenkbeschwerden und Symptome im Bereich des Gehirns auslösen, zum Beispiel eine vorrübergehende Lähmung eines Gesichtsnerven oder auch chronische Kopfschmerzen verursachen.
  7. Und welche Symptome verursacht FSME? Auch die FSME-Infektion verläuft in zwei Stadien und nur das zweite Stadium ist für den Namen verantwortlich. Das erste Stadium verläuft ähnlich einer Grippe. Das zweite Stadium wird gar nicht immer erreicht, und so ganz grob kann man sagen „je jünger der Patient, desto geringer ist die Wahrscheinlichkeit die zweite Phase zu erreichen“. In dieser zweiten Phase kommt es dann eben auch zu der Entzündung von Gehirn, Hirnhäuten und Rückenmark.
  8. Gibt es eine Therapie für diese Erkrankungen? Jein. Die Borreliose lässt sich vor allem im Frühstadium gut mit Antibiotika behandeln, in späteren Stadien ist sie auch behandelbar, dann ist allerdings oft eine Antibiotikagabe über die Vene und damit eine stationäre Therapie erforderlich. Für FSME gibt es keine ursächliche Therapie, es werden, wie bei vielen anderen Viruserkrankungen die Symptome behandelt.
  9. Kann ich mich denn nicht gegen Zecken impfen lassen? Eine Impfung gegen Zecken gibt es nicht, es gibt aber eine Impfung gegen das FSME-Virus. Diese wird empfohlen für FSME-Risikogebiete, die weite Teile Süd- und Mitteldeutschlands, Österreichs, der Schweiz, Teile von Skandinavien und große Bereiche in Osteuropa umfassen. Es gibt FSME-Karten, die auch jährlich aktualisiert werden, dort kann man genau nachschauen ob man in einer Risikoregion wohnt oder das Urlaubsziel in einer Risikoregion liegt. (Zum Beispiel unter http://www.zecken.de und https://www.rki.de/DE/Content/Infekt/EpidBull/Archiv/2018/17/Art_01.html ) Idealerweise sollte man erstmalig einige Monate vor dem geplanten Urlaub mit dem impfen beginnen, denn Anfangs sind drei Impfungen erforderlich um auch einen Langzeitschutz zu gewährleisten. Es gibt auch Schnellimpf-Schemata für kurzentschlossene, diese gehen dann aber zum Teil zu lasten des Langzeitschutzes, der dann später aufgebaut werden muss. Ob eine Impfung sinnvoll ist und wann damit begonnen werden sollte besprecht ihr am besten mit eurem (Kinder)Arzt.

So, das war jetzt ganz schön viel, ich hoffe ich konnte eure Fragen so gut es geht beantworten. Bitte denkt daran dass dieser Blogbeitrag keine medizinische Beratung im Einzelfall ersetzt und ihr euch bei Unsicherheiten nach einem Zeckenbiss oder bei Fragen zur FSME-Impfung immer an euren Kinderarzt wenden könnt und solltet. Lasst mich gerne hier oder auch auf Instagram wissen wie euch dieser Beitrag gefallen hat und welche Themen ihr euch demnächst als Medizinthema des Monats wünscht. Und falls eure Kids euch genau so gerne Löcher in den Bauch fragen wie meine mir: http://www.zeckenschule.de da gibt’s auch kindgerechte Infos rund um Zecken.

Und jetzt geniesst den Sommer in der Natur mit euren Zwergen,

eure Taschi

P.S.: Dieser Beitrag hat reinen Informationscharakter, ich bin von keinen Pharmafirmen in irgendeinerweise für diesen Beitrag entlohnt worden, die Produkte in den Fotos sind eine zufällige Zusammenstellung dessen was ich beim durchforsten der Hausapotheke gefunden, und alles mal selber bezahlt habe. Es sind ausdrücklich KEINE Produktempfehlungen.

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