Ich lass für euch die Hosen runter…

… die dreckige Wahrheit hinter „Love for Wool“

Vor kurzem habe ich auf Instagram gefragt worüber meine Follower gerne mehr wissen würden, und die Antworten haben mich schockiert!!! Ich war beschämt!!! Denn anscheinend halten viele meiner Instagram-Follower mich für so eine Art Superweib. Supermama, super Ärztin, super Hausfrau und super Strickerin, alles in einem vereint. Da dies alles andere als meinem Selbstbild entspricht habe ich beschlossen in diesem Blogbeitrag mal mit all diesen falsch positiven Bildern die Instagram so vermittelt aufzuräumen und euch die dreckige Wahrheit hinter den Kulissen von Love for Wool zu präsentieren.

Ja, es stimmt: irgendwie gelingt es mir trotz stressigem Berufsleben im Krankenhaus und stressigem Alltag mit zwei kleinen Kindern nebenbei viel zu stricken und dies auch täglich in Form geschönter Bilder auf Instagram mit euch zu teilen. Aber ihr wisst nicht zu welchem Preis:

 

Ich verbringe viel zu viel Zeit mit meinem Handy in der Hand, auch in Anwesenheit der Kinder. Ich würde lügen wenn ich sagen würde dass ich nicht schon meine Kinder angeschnauzt hätte „verdammt, jetzt lass mich doch mal eben schnell dieses eine Foto hochladen und hab ein bisschen Geduld“ nur weil sie mich zum zweiten oder dritten mal bitten Ihnen ihr Lieblingsbuch vorzulesen. Ich würde auch lügen, wenn ich behaupten würde ich hätte nicht letztens vor dem Dienst bewusst keine Milch mehr gekauft, obwohl ich weiß dass die Kinder ihren morgendlichen Kakao so sehr lieben, weil ich lieber die halbe Stunde die mir noch blieb vor einem langen Spätdienst, damit verbringen wollte mein aktuelles Projekt fertig zu stricken.

Ich wäre sicherlich eine noch bessere Ärztin mit mehr Hintergrundwissen über seltene Erkrankungen oder die alleraktuellsten Leitlinien, wenn ich abends nach dem Dienst die aktuelle Monatsschrift Kinderheilkunde lesen würde anstatt mit meinem Stricknadeln und einem Knäuel kuscheliger Wolle auf die Couch zu sinken.

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Unser Haushalt hat oft die Bezeichnung Haushalt nicht verdient, ich habe meinem Sohn schon die Unterhose vom Vortag in den Kindergarten angezogen, weil ich noch nicht gewaschen hatte und meistens liegen die Klamotten solange im Trockner oder auf dem Wäscheständer bis man sie direkt von dort anzieht. Manchmal werden sie auch in einen Wäschekorb geschmissen, aber ordentlich zurück in den Schrank gefaltet schaffen sie es nur selten. Und wenn ich an meinen freien Tagen Besuch zum frühstücken bekomme passiert es nicht selten, dass meine Gäste sich erstmal den Küchenlappen schnappen und den Tisch abwischen und dabei nicht nur die Krümel vom Frühstück der Kinder am morgen sondern gleich auch noch die angetrockneten Spinat und Kartoffelpürree Reste vom Vorabend (oder vor-vor-Vorabend) mit wegwischen.
Und was die super Ehefrau anbelangt: mein armer Mann kommt oft an allerletzter Stelle. Wahrscheinlich kann ich mich glücklich schätzen dass er mich nicht schon längst verlassen hat, denn abgesehen davon dass ich für ihn beziehungsweise für uns nicht wirklich Zeit habe entfernt sich meine Figur auch peu-a-peu immer weiter von der Figur der Frau die er vor über 10 Jahren kennen gelernt hat. Kein Wunder, denn diese Frau von damals hat mehrmals die Woche Sport gemacht und zumindest hin und wieder auf Ihre Ernährung geachtet. Ich habe ungelogen das letzte mal im November 2016 an einem Yogakurs teilgenommen und bin seitdem vielleicht 6 mal mit dem Fahrrad eingekaufen gefahren.

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So, zu guter letzt möchte ich mir gar nicht ausmalen um welche katastrophalen Geständnisse ich diesen Text noch ergänzen müsste wenn nicht mindestens einmal (und manchmal auch fünf mal) pro Woche meine Eltern kämen und neben Kinderbetreuung auch noch unauffällig die alltäglichen Dinge im Haushalt erledigen würden. An dieser Stelle, Danke Danke Danke Mama und Papa, ich lieb euch und wüsste manchmal nicht wie ich es ohne euch auf die Reihe kriegen würde ❤
So ihr lieben, nun habt ihr sie also, die Antwort auf eure Frage “ wie schaffst du das bloß alles unter einen Hut zu kriegen“ – und sie lautet: indem ich nicht selten einfach die falschen Prioritäten setze und meine Familie hinten anstelle. Schäme ich mich dafür? Ja, manchmal ein bisschen. Werde ich es ändern? ich weiß es nicht, ich versuche immer wieder die richtige Balance zwischen allem zu finden und habe sogar schon überlegt ob ich Love for Wool ganz an den Nagel hänge und wieder nur noch für mich stricke. Aber es macht mir spaß, es macht mich glücklich und eine glückliche Mama ist ja schonmal eine gute Basis (rede ich mir ein). Mich würde sehr interessieren wie ihr über diese Geständnisse denkt, also lasst mir gerne Kommentare da :-*


Und in meinem nächsten Beitrag möchte ich euch erzählen wie und warum Love for Wool mich zu einer besseren Ärztin gemacht hat.

 

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3 Kommentare zu „Ich lass für euch die Hosen runter…

  1. Huhu,

    Ehrlich gesagt, beruhigst du mich gerade wahnsinnig. Ich verfolge deinen instafeed jetzt schon eine Weile und bin ebenfalls immer beeindruckt, wie du das alles schaffst. Ich hätte gar nich die Zeit Ben Blog zu machen, und überhaupt im Netz so aktiv zu sein. Und ich bin weder Ärztin noch habe ich zwei Kinder. Ich habe eine Tochter, die eben zwei geworden ist und der Haushalt steht bei uns auch ziemlich Kopf. Sauber isses selten und meist schiebt man es dann doch noch raus zu putzen, weil andere Sachen dazwischen kommen.
    Stricken kann ich nur abends, wenn sich Madamchen bereit erklärt hat liegen zu bleiben und zu schlafen.
    Tagsüber komme ich nur auf dem weg zur Arbeit dazu.
    Ich glaube, falsche Prioritäten setzen wir alle hin und wieder.
    Jeder sollte das so tun, wie er glücklich wird.
    Ich mag deine Posts und Beiträge, und würde ungern verzichten müssen. Aber als Mama versteht man das auch, dass einem das viel Zeit mopst.

    Viele liebe Grüße
    resaknits

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  2. Hallo Natascha-vielen Dank für Deinen ungeschönten Einblick hinter die Strick-Kulissen! In vielem konnte ich mich auch wiederfinden-aber so what? Ich finde, ein gesunder Egoismus tut jeder Mutter gut-es gibt um uns herum schon zu viel Selbstaufgabe-von dem Trip habe ich mich längst verabschiedet, denn man lebt nur einmal und das Leben ist zu kurz für Perfektionismus! Du bist echt sympathisch! Liebe Grüße, Nina (Feuerfangen)

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  3. Thanks to google translate I was still able to read this blog! Honestly, I don’t think what you’ve written here is too different from what goes on in most women’s lives. Being a working mother is really hard and in becoming a mother you give so much time (as you should) to your children, that not much is left for yourself. I find this difficult also and I’ve also clung to my new passion of knitting as a way of reclaiming time for myself while also doing something practical: making clothes for my children (and soon myself).
    Too many times I have also sat down to knit before doing the housework; it doesnt make me feel good to see it pile up but i also know I’d be dealing with feelings of resentment if i didnt take a bit of time to do something i really enjoy.
    Sometimes I hate having to work but at the same time it gives me a break from my kids, who at the moment are driving me nuts! Toddlers!

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